Mexiko

29.08.2015 – 07.10.2015, 40 Tage, 1400 km

Estados Unidos Mexicanos (Vereinigte Mexikanische Staaten), Bundesrepublik mit 31 Bundesstaaten und dem Hauptstadtdistrikt Ciudad de Mexico, 2 Mill. qkm, 120 Mio. Einwohner. Unabhängig (von Spanien) seit 1810, vierzehntgrößtes Land der Welt, in der Reihung der Bevölkerung an 11.Stelle. Landessprache Spanisch, seit 2003 werden 62 indigene Sprachen als „Nationalsprachen“ anerkannt.

Das südlichste Land des nordamerikanischen Kontinents ist sechsmal so groß wie Deutschland, etwa 3000 km lang und 200 bis 2000 km breit.

Ich quere das Land von Norden nach Süden. Fahre in einer nahezu direkten Linie von El Paso (Texas/USA) nach Cd. Hidalgo an der Grenze zu Guatemala. Bereits 2014 war ich in Mexiko. Radelte damals eine weitgehend andere Strecke. Nur zwei Tage fahre ich heuer – bei Fresnillo und Zacatecas – auf Straßen, die ich im Vorjahr fuhr. Das Umfeld in Mexiko ist im Jahr 2015 unverändert radfahrunfreundlich: Zahlreiche rücksichtslose Autofahrer, fallweise viel Verkehr auf überlasteten Straßen, Reisewarnungen wegen Drogenkriegen und Entführungen.

Ich versuche, Sicherheitshinweise zu beachten. Meide die Hauptdrogenroute bei Veracruz und fahre in einem Autobus durch das „Entführungshochland“ Guerrero nach Acapulco. Auf drei Streckenabschnitten nehme ich Autobusse. Durch die Chihuahuawüste von Cd. Juarez nach Chihuahua wegen einer niederschmetternden Windprognose. Von Zacatecas nach Acapulco, um der Regenzeit im Hochland ein Schnippchen zu schlagen. Ein kurzes Teilstück bei Salina Cruz an der Südküste wegen der gefährlich engen Straße. Die bergige Landschaft um Barranca del Cobre, dem Kupfercanyon, besuche ich im Rahmen einer organisierten Tour, das Bergland der Sierra Madre de Chiapas und die Ruinen von Palenque im Süden des Landes in einem Mietauto.

Die Ruinen von Palenque

Die Ruinen von Palenque

Fahrstrecke:
Cd. Juarez – Chihuahua – Zacatecas – Acapulco – Puerto Escondido – Tapachula – Cd. Hidalgo.

Streckenprofil: Abschnittsweise flach, meist jedoch hügelig, teils bergig. Ausgedehnte Wüsten im Norden. Lange Anstiege, um in das von Hügelketten durchzogene zentrale Hochland zu gelangen. Die Straßen an der Südwestküste Mexikos wegen der nahen Berge fallweise anstrengend zu fahren.

Wetter: Im Norden, wie in einer Wüste zu erwarten, extrem trocken und heiss. Im Hochland und an der Südwestküste ist die Regenzeit noch nicht vorbei. In 2500 Meter über dem Meer ist der Regen unangenehm kalt, also weiche ich zur Küste aus. Hier stört der gelegentliche abendliche oder nächtliche Regen nicht. Tropisch heiss und schwül im Golf von Tehuantepec und an der Grenze zu Guatemala.

Die Wüste – und das eigenwillige Mautstraßensystems Mexikos – fordern ihren Tribut. Der erfahrene Radfahrer nützt trotz Verbotsschilder wegen der asfaltierten Seitenstreifen die „verkehrssicheren“ Mautstraßen. Diese umfahren allerdings weiträumig jede Siedlung und jede Versorgungsstelle. So bin ich nach 200 km und 3 Tagen in der südlichen Chihuahuawüste mit meinen Kräften am Ende. Setze mich auf einer Bergkuppe an den Straßenrand und warte, bis sich eine Mitfahrgelegenheit bietet. Im feuchtheissen Südwesten des Landes kürze ich die Tagesetappen. Nachmittags ist Radfahren schier ein Ding der Unmöglichkeit, doch hier gibt es – im Gegensatz zu den Wüstenabschnitten – Restaurants und Läden, Hotels und vor allem Schatten.

Gefährlich zu fahren waren vor allem einige Stadteinfahrten. Fresnillo, die 7 km lange Stadteinfahrt eine einzige Baustelle mit viel Verkehr auf seitlich tief ausgehobener und ungesicherter Fahrbahn. Zacatecas, die Haupteinfallstraße kurvig und steil ansteigend, in Gräben abfallend und wieder steil ansteigend. Der Ausfallsstraße von Acapulco nicht unähnlich, doch dort fegt mich ein Sturm zurück in die Stadt.

Weil eine Autoanmietung in Chihuahua nicht klappt, schließe ich mich einer geführten Tour zum Copper Canyon, dem tiefsten Canyon Nordamerikas an. Und lerne dabei drei reizende Mexikanerinnen aus Mexiko-Stadt kennen.

Die drei reizenden Mexikanerinnen aus Mexiko-Stadt.

Die drei reizenden Mexikanerinnen aus Mexiko-Stadt.

Wir besuchen eine Mennonitensiedlung und Wasserfälle, den Kupfercanyon und Menschen, die noch in Höhlen wohnen.

Ich miete in Huatulco ein Auto, um die Weltkulturerbestadt San Cristobal de las Casas und, nebst einigen Wasserfällen, die archäologischen Maya-Stätten von Palenque zu besuchen. Bin wenig angetan von den Resten der vorkolumbischen Siedlung Izapa nahe der Grenze zu Guatemala, der größte Teil der Ruinen vom Dschungel überwuchert.

Ich schwimme mit Meeresschildkròten vor Puerto Escondido,Schildkroete

wandle auf dem Gringo Trail, in Acapulco, Puerto Escondido und Palenque. Orte, die zu „sicheren“ Zeiten das Ziel vieler US-Amerikaner in Zentral- und Südamerika waren. Viele Nordamerikaner meiden nun Zentralamerika, wegen vermeintlicher und echter Gefahren. Nicht zuletzt wegen der negativen Berichterstattung in US-amerikanischen Medien. Persönlich habe ich nicht das Gefühl, in echter Gefahr zu sein. Aber einige Bilder in mexikanischen Zeitungen – zB. Köpfe enthaupteter Männer – sind zweifellos besorgniserregend.

So groß das Land, so unterschiedlich Landschaften, Vegetation, Menschen. Spärlich strauchbedeckte Wüsten und Kakteen, alpinähnliche Föhrenbestände in Hochlagen des Nordens, palmgesäumte Meeresbuchten und dschungelartiger Regenwald. Ausgedehnte Ranchos und kleinste Maisanbauflächen. Apfelplantagen im Westen Chihuahuas, Ananasplantagen im Landesinneren, Bananen- und Mangoplantagen im südwestlichen Küstengebiet. Geschäftig die Menschen im Hochland, freundlich grüßend in der Südwestecke das Landes.

Abgesehen von einem vor Ort nicht behebbaren Schaden an der Gangschaltung keine Probleme mit dem Fahrrad. Ein Taxi bringt mich zurück nach Puerto Escondido, wo der gebrochene Umwerfer am Hinterrad in kurzer Zeit ersetzt wird. Ich zahle den Preis für die Ersatzteile und will es nicht glauben, dass die Arbeitszeit nicht verrechnet wird.

Mexiko liegt hinter mir. Nun ist Zentralamerika zu durchqueren. Nächstes Ziel ist Guatemala. Wenn ich erhaltenen Auskünften glauben darf, nicht das sicherste, aber keineswegs das unsicherste Land Mittelamerikas. Radfahrerisch gesehen herausfordernd, weil es von Meereshöhe in ein zentrales Hochland geht. Sicherheitstechnisch nicht problemlos, weil sich im Land mit der Verhaftung des Präsidenten wegen Korruptionsverdacht ein Machtvakuum auftut. Wetterungsmäßig gleichfalls unsicher, weil die Regenzeit noch nicht zu Ende ist. Was mich da wohl erwartet?

Wer mehr über Mexiko wissen will, schaut in mein unvollständiges Tagebuch.

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