El Salvador, Honduras, Nicaragua

15.10.2015 – 31.10.2015, 17 Tage, 800 km

Hinter mir liegt Guatemala. Vor mir zwei Länder, die in meiner Reiseplanung mit MEIDEN gekennzeichnet sind. Für weite Teile El Salvadors und Honduras bestehen Reisewarnungen. Überfälle,

Raub, Entführungen, Morde. Länder mit den höchsten Verbrechensraten der Welt. Die beiden Länder überfliegen oder im vergleichsweise sicheren Überlandbus durchfahren, um in das ebenfalls unsichere Nicaragua zu gelangen? Ich handle nach dem Motto „es wird schon nichts passieren“ und fahre mit dem Fahrrad. Durch El Salvador, Honduras und Nicaragua.

Nach einer kurzen Strecke im Hochland El Salvadors quere ich die drei Staaten vorwiegend im Süden nahe der Pazifikküste.

La Union, El Salvador

La Union, El Salvador

Fahrstrecke und Streckenprofil:

El Salvador: Las Chinamas – Ahuachapan – Santa Ana – Santa Tecla – San Salvador – Zacatecoluca – Usulutan – San Miguel – La Union – El Amatillo. Hügelig mit einigen langen Steigungen von Las Chinamas bis San Salvador, lange Abfahrt in die Küstenebene, hügelig der östliche Landesteil El Savadors.

Honduras: Seit La Union in El Salvador umfahre ich den Golf von Fonseca, eine weit ins Landesinnere reichende Meeresbucht. Alle drei Staaten erhoben jahrelang Anspruch auf die drei großen, in der Bucht gelegenen Inseln, allerdings ist dieser Konflikt zwischenzeitig beigelegt. Ich fahre El Amatillo – Nacaome – Choluteca – Guasaule, die Strecken abwechselnd flach und hügelig.

Nicaragua: Guasaule – Somotillo – Chinandega – Leon – Managua – Granada – Rivas – Peña Blanca, mehr hügelig als flach.

Wetter: Die Regenzeit dauert in dieser Region üblicherweise von April bis Oktober, allerdings fällt der Regen meist am späten Nachmittag oder in der Nacht. Zwei Tage lang hält mich Regen in Santa Ana fest. Pudelnass werde ich nur in Rivas an meinem letzten Tag in Nicaragua.

Bezüglich Kriminalität beachte ich die üblichen Sicherheitshinweise und verlasse mich auf mein Gefühl. Menschenansammlungen meiden, besondere Vorsicht auf Märkten und nahe Busstationen, Distanz zu noch so freundlichen Helfern wahren, cool bleiben. Die Touristenzentren Leon und Granada in Nicaragua sind „sicher“, wie auch die ländlichen Gebiete entlang der Hauptverkehrsstraßen.

Kathedrale in Granada, Nicaragua

Kathedrale in Granada, Nicaragua

El Salvador und Honduras sind keine Touristenziele. Zu abschreckend die hohe Kriminalität, zu negativ das Image der beiden Länder.

Ich fühle mich in keinem der drei Länder bedroht. Doch irgendwie ist eine latente Gefahr spürbar. Bewaffnete Security-Leute vor Geschäften und Tanksrellen, Restaurants und Hotels. Schon ihre Anwesenheit erinnert mich ständig daran, vorsichtig zu sein. Bin überrascht, dass auch Fernlaster von Bewaffneten begleitet werden. Ganz zu schweigen von der hohen Polizeipräsenz in Ortsgebieten und auf Überlandstraßen.

Ist doch ein Paradoxon! So viele hilfsbereite und freundliche Menschen, und so viel kriminelle Energie!

Straßenzustand:

El Salvador: Weitgehend gut ausgebaut mit asphaltierten Bankett. Gefährlich zu fahren die Panamericana auf der kurvenreichen Steigung vor Santa Tecla. Sehr gut ausgebaut die Autopista zwischen San Salvador und dem in der Küstenebene gelegenen Flughafen sowie die Carretera del Litoral im Süden des Landes.

Honduras: Desolat. Bröckelnder Asphalt, Schlaglöcher. Anrainer füllen auf einzelnen Straßenstücken die Schlaglöcher mit Erde und erhalten dafür von mitleidigen Kraftfahrern die eine oder andere Münze.

Nicaragua: Überraschend guter Straßenzustand mit befahrbaren, jedoch zu schmalen Banketten.

Sehenswert sind in Nicaragua die alte Hauptsstadt Leon und die lange Zeit um den Hauptstadtsitz kampfende Stadt Granada. Sehenswert natürlich auch die Vulkanketten, insbesonders Momotombo am Managuasee und die Vulkane im Nicaraguasee. Alle drei Länder liegen am pazifischen Feuerring. Und mögen die Vulkane niedriger als in Guatemala sein – sie sind beeindruckend. Kegelförmig aus den Ebenen aufsteigend, aufsteigender Dampf sich zu riesigen Wolken formend.

Vulkan Momotombo, Nicaragua

Vulkan Momotombo, Nicaragua

Ich radle durch Gegenden und Orte, die seit geraumer Zeit keine Fremden sahen. Werde von einem Reporterteam in El Salvador gefilmt. Das Interview wird landesweit ausgestrahlt, ich erlange dadurch einen gewissen Bekanntheitsgrad. Die Menschen sind arm, aber freundlich und hilfsbereit. Am freundlichsten in Honduras, dem ärmsten Land dieser Region.

Das Fahrrad, es läuft. Vorne alles okay, hinten wird es heikel. Probleme am Hinterrad zeichnen sich ab. Schaltung, Felge, Speichen: Einzelne Teile werden zu tauschen sein.

Nur noch zwei Länder in Mittelamerika. Einheimische bezeichnen auch Costa Rica und Panama als nicht besonders sicher. Weniger als eintausend Kilometer bis Porto Bello in Panama, mit der Fährverbindung nach Südamerika.

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