El Salvador

Ex Reiseplanung: MEIDEN. KEIN TOURISTENZIEL. Das Land hat (mit dem Nachbarland Honduras) die höchste Verbrechensrate pro Zahl der Einwohner.

Fläche (qkm): 21.041
Einwohner (Mio.):
7,3
Hauptstadt:
San Salvador (0,6 Mio.)
Größte Städte:
Soyapango  (0,3 Mio.), Santa Ana (0,2 Mio.), andere < 0,2 Mio.
Bezirke:
14 Departamentos
Amtssprache:
Spanisch
Währung:
US $ (auslaufend: Colon)
BIP / Einwohner ($, 2007):
2.857
BIP / nominal:
$ 20 Mrd., Dienstleistung  61 %, Landwirtschaft 9 %, Industrie 30 %
Bewohner:
Stadt  60 %, Land  40 %
Topographie allgemein:
Kleinstes Land Zentralamerikas, Pazifikküste 307 km im Süden mit Fonseca Bucht. Zwei Vulkanketten teilen das Land in flache Küstenebene, zentrale Hochebenen und nördliches Bergland. Höchste Erhebung El Pital (2.730 m), höchster Vulkan Santa Ana (2.365 m).
Klima: Tropisch. Heißschwül im Küstengebiet, gemäßigt im Hochland. Regenzeit Mai bis Oktober, fallweise Tropenstürme, Vulkanausbrüche und Erdbeben.
Flora: Mangroven,  Gummibäume, Mahahoni und Zeder im Tiefland, Eiche und Kiefer im Hochland.
Fauna: Vögel, Affen, Jaguar, Kojote, Tapir, Fische, Schlangen, Schildkröten, Echsen, Krokodile
Naturschutzgebiete / Nationalparks: Keine
Bevölkerung: Mestizen 90 %, Weiße 9 %, Indigene 1 %. Indigene während Matanza 1932 weitgehend ausgerottet. 48 % der Bevölkefung unter Armutsgrenze. Etwa 1,1 Mio. Salvadorianer leben in USA.
Laut Gallop Umfrage 2012 zählen sich die Menschen El Salvadors zu den glücklichsten der Welt, allerdings will laut Umfrage 2014 durch Dialogo Interamericano wegen der hohen Kriminalität jeder vierte Salvadorianer auswandern
Religion: r.k. 60 %, protestantisch 28 %
Amtssprachen / Umgangssprachen: Spanisch. Indigene Sprachen weitgehend ausgerottet.
Geschichte:
Vorkolumbanisch: Maya-Völker im 1.Jh. von den mit den Azteken verwandten Pipil, diese wiederum von den Spaniern im 16. Jahrhundert besiegt.
Kolonialzeit: 1524 – 1821. Die Stadt San Salvador wurde 1524 vom spanischen Konquistador Gonzalo de Alvarado gegründet
Unabhängigkeit 1821, danach bis 1839  Teil der Zentralamerikanischen Konföderation.
Neuzeit: Lokale Oligarchen beherrschten das Land, Pipil-Aufstand 1932 blutig niedergeschlagen (Matanza, das „Massaker“),  Militärdiktaturen. Politisch instabile Lage ab 1970,  Bürgerkrieg 1980 bis 1991, US-unterstützte Militarjunta versus FMLN (Frente Farabundo Marti para la Liberacion Nacional) mit Massenmorden und krassen Menschenrechtsverletzungen. Politische Stabilisierung seit 1992
Wirtschaft: Kleinbauern produzieren überwiegend für Eigenbedarf, Großgrundbesitzer Kaffee und Baumwolle für den Export.
Industrie: Textilien bedeutend wegen (steuerbefreiter?) Lohnfertigung
Bergbau: unbedeutend
Tourismus: unbedeutend
UNESCO Welterbe: Joya de Ceren – Amerikas Pompej. Eine um 600 n.Chr. nach dem Ausbruch des Vulkans Loma Caldera unter Asche begrabene Maya-Stadt.

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16.10.2015, Santa Ana, Hotel Libertad, Tkm 47, Gkm 6435

Nun habe ich die ersten Kilometer in El Salvador zurückgelegt, auf einer Straße mit asphaltiertem Bankett zwischen Ahuachapan und Santa Ana, vierspurig seit Atiquizaya. Auf einer zuerst kaum, dann eher stark befahrenen Straße am Nordhang des in Wolken gehüllten Santa Ana Vulkans. Leichter Gegenwind,  tropisch feuchte Umgebung. Freundlich grüßende Menschen, freundljche Geschàftsfassaden, wie das Campesinoservice in Ahuachapan.Campesinoservice

Wenn ich bei angenehmen Temperaturen und zwischen diesen harmlos wirkenden und grüßenden Menschen dahinradle, kann ich kaum glauben, dass ich mich in einer der gefährlichsten Regionen der Welt bewege. Die vor Reisebeginn erhobenen Daten zur Sicherheit im Land waren bereits beängstigend. Nun hat sich laut Reisewarnungen die Anzahl der registrierten Verbrechen in 2015 im Vergleich zum Votjahr verdoppelt! So viele freundliche und hilfsbereite Menschen, so viele Verbrechen!

El Salvador meiden, habe ich bei der Reiseplanung niedergeschrieben. Das Nachbarland Honduras ebenfalls meiden. Ich könnte El Salvador großräumig im Norden umfahren, doch das ist mir zu mühsam. Ich könnte einen Tica Bus besteigen; eine allgemein als sicher beurteilte Autobusverbindung zwischen Tapachula in Mexiko mit den Hauptstädten der zentralamerikanischen Staaten. Ich könnte die als weniger sicher geltenden lokalen Busse benützen. Ich könnte …. . Weil sich viele Varianten anbieten, wähle ich die Gewohnteste: Ich verteile meine Wertsachen auf die Packtaschen und hoffe, dass ich als Radfahrer ungeschoren durch das Land komme.

Reisewarnungen betreffen die großen Städte San Salvador, Santa Ana und San Miguel ebenso wie die Hälfte der Departementos des Landes. Gefährdet sind insbesondere von Touristen besuchte Orte, Vulkane und Strände. Diebstahl, Raub und Überfälle sind Alltag. Geschäftsinhaber wie Busbetreiber werden von Banden erpresst, Überfälle auf Busse sind zahlreich. Die Polizei scheint eher hilflos. Verstärkt sie ihre Einsätze, wird sie vermehrt zum Ziel von Bombenanschlägen. Ein Teufelskreis, dessen Ursache in erster Linie die hohe Arbeitslosigkeit ist. Der einzige Lichtblick: Das Land ist klein, in fünf Tagen müsste ich es durchquert haben.

Santa Ana ist weitläufig, im Zentrum das Rathaus und die Kathedrale.Kathedrale

Niemand scheint das von mir gesuchte Hotel zu kennen. Auf der Suche nach 9 A Avenida Sur drehe ich drei Runden im und um das Zentrum von Santa Ana. Steige ab im zentralen, aber veraltetem Libertad. Schenke  einem Aufkleber an der Tür vorerst wenig Beachtung. „Tener sexo con menores de edad es delito Art. 158-173“, halte ein kurzes Nachmittagsschläfchen. Bis lustvolles Stöhnen zu lauter Musik aus dem Nachbarzimmer dringt. Ich mache mich auf zu einem Stadtrundgang und gehe durch die Hotelhalle, in der die Putzfrau hingebungsvoll dem Stöhnen lauscht.

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17./18.10.2015, Santa Ana, Hostal Casa Verde, Tkm 3, Gkm 6438

Wechsle im samstägigen Morgenregen das Hotel, habe Probleme mit der Orientierung,  irre durch die Stadt, finde endlich das von außen kaum als Hostel/Hotel erkennbare Casa Verde. Netter Empfang, ein sehr gut ausgestattetes Hostel mit zwei Küchen, Aufenthaltsraum, Minischwimmbad.

Es regnet, am Samstag und am Sonntag, teils heftig. Lediglich kurze Regenpausen. Nütze die Tage, um das Tagebuch „Mexiko“ zu vervollständigen. Wandere zweimal zum „Kulturcafe“, nur wenige Schritte vom Vergnügungsviertel entfernt. Bars, Kneipen, einige Prostituierte, laute Musik. Einmal kurz durchwandern reicht.Kulturcafe

Sonntagabend, 20 Uhr, das Kulturcafe ist geschlossen. Ich gehe zum Restaurant bei der Kathedrale, sieben Häuserblocks entfernt. Die Straßen völlig menschenleer, wahrlich unheimlich. Nicht, dass ich Angst hätte. Aber ein leichtes Kribbeln verspüre ich schon, wenn ich an all die Reisewarnungen denke. Belebt ist nur die zentrale Plaza. Ähnlich der Rückweg. Mich nur nicht verirren! Schaffe es unbehelligt zum Hostel.

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19.10.2015, Santa Tecla, Hotel La Casa de Izel, Tkm 60, Gkm 6498

Es regnet in der Nacht, es regnet am Morgen. Doch die Wettervorhersage verspricht ein Nachlassen der Niederschläge, zumindest im Bereich der Hauptstadt San Savador. Der Regen lässt nach, ich fahre los. Unterwegs einige Regentropfen, aber ich bleibe trocken.

Bis San Andres angenehm zu fahren. Doch die nachfolgende Steigung bis Santa Tecla ist gemein. Die hier dreispurige Panamericana führt durch eine bewaldete Schlucht berauf, folgt den Berghängen. Starker Verkehr, ich radle im schwarzen Nebel der Abgase. Die rechte, für langsame Fahrzeuge vorgesehene Spur wird von schnellen oder vermeintlich schnellen Pkw und Autobussen als Überholspur genutzt. Nicht ungefährlich, nur knapp rasen diese Idioten an mir vorbei.

Santa Tecla, auch Nueva San Salvador, am Südhang des Vulkans Quezalterec, wurde mir von Juan im Casa Verde als angenehmer und ruhiger Ort empfohlen. 190000 Einwohner, viertgrößte Stadt des Landes, an San Salvador angrenzend. Im Jahr 2001 löste sich im Vorort Colonia Las Colinas nach einem Erdbeben ein Berghang, verschüttete 400 Häuser. 500 Tote, 10000 Obdachlose. Vor wenigen Wochen ein ähnliches Unglück in Guatemala. Da bedarf es keiner Untersuchungskommission, um festzustellen, wer an den Unglücken schuld ist. Berghänge werden zur Materialgewinnung angeschnitten, auf den dadurch entstehenden Freiflächen am Fuß senkrechter Wände werden Häuser gebaut, schwere Regenfälle verursachen Hangrutschungen,  die Häuser und Menschen werden von Schlamm und Geröll begraben.

Volcan de San Salvador, auch Volcan Quezalterec, 1864 Meter, etwa 10 Kilometer nördlich von Santa Tecla, in Wolken gehüllt. Kein Hinweis auf Aktivitäten. Noch bin ich weit vom Vulkan Chaparrastique bei San Miguel entfernt, der bei einem Ausbruch am 29.12.2013 große Aschemengen in die Luft schleuderte.

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20.10.2015, Zacatecoluca, Hotel Royal King, Tkm 72, Gkm 6570

Fahrverbot für Radfahrer auf der Carretera Panamericana ab der Stadteinfahrt von San Salvador. Ich fahre einige Meter auf einer Nebenstraße, drehe um, bleibe auf der Panamericana. Ich folge der Beschilderung ‚Aeropuerto‘. Bis zur Plaza del Soldado gehts abwärts, da kann ich mit dem übrigen Verkehrsteilnehmern gut mithalten. Vorbei am Stadtzentrum auf dem flachen Boulevard Los Proceres, doch dann trete ich bergauf, auf der Autopista Aeropuerto Monseñor Romero.

34 km bis zum Flughafen? Auf meiner Straßenkarte erscheint die Entfernung viel kürzer. Außerdem fahre ich Richtung Südosten, doch der Flughafen sollte im Nordosten liegen. Nach der 7 km langen Steigung wird mir auf der Anhöhe bei San Tomas klar: San Salvador hat zwei Flughäfen: Base Militar Ilopango am Stadtrand und der weit im Süden im Küstengebiet liegende Aeropuerto Internacional El Salvador.

Die Fahrt auf der breiten und gut ausgebauten Autopista hinunter in die Tiefebene ist angenehm. Zunehmend steigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Heute erstmals Sonnenschein nach mehreren regnerischen Tagen. Etwa 30ºC im Küstengebiet. Auf Highway CA2E, der Carretera del Litoral, Richtung Osten. Am Straßenrand aufgefädelt die Kokos-Verkaufsbuden. Aus der Kühlbox Kokosmilch im Beutel um 50 Cent. Zum selben Preis gibts eine Kokosnuss, allerdings nicht gekühlt. Mit dem Hackmesser geöffnet,  Kokosmilch mit dem Strohhalm getrunken, Nuss zerteilt, Kokosfleisch herausgeschält und gegessen.

Die meist breite Carretera del Litoral, von den Touristikern als Ruta Sol y Playa vermarktet, 300 km, von der Grenze Guatemalas nach La Union, folgt der Küstenlinie entlang, fallweise unmittelbar am Meer, dann wieder weit im Landesinneren. Zum Radfahren wegen des breiten asphaltierten Seitenstreifens wesentlich  geeigneter als die in die Jahre gekommene Panamericana. Der mit Bruchstellen und Löchern im Beton streckenweise anzumerken ist, dass sie in Kriegsjahren (1942 ?) im Rekordtempo gebaut und dann Jahrzehnte grob vernachlässigt wurde.

Das wird sich in den nächsten Tagen kaum ändern: Ich radle im Küstengebiet. Tagestemperaturen üblicherweise um 32ºC, Luftfeuchtigkeit etwa 90%. Schwül, Schweiß rinnt in Strömen, Hemd klebt am Körper. Fallweise halte ich an, um mich mit mitgeführtem Wasser zu waschen. Die kurzen Tagesetappen werden bleiben. Um 14 Uhr oder früher suche ich ein Quartier.

Das Royal King ist zweifellos nicht das Gelbe vom Ei. Der Zimmerpreis von 15 Dollar entspricht der Qualität. Veraltete Einrichtung, chaotisch aufgeteiltes Bad, muffig riechendes Zimmer. Doch es gibt eine (alte, aber funktionierende) Klimaanlage und in der Dusche einen Wasserstrahl. Warmwasser? Wer braucht das schon bei Temperaturen, die während der Nacht selten unter 24ºC sinken?

Zacatecoluca,  62000 Einwohner,  Hauptstadt des Departementos La Paz, Zentrum der Unabhängigkeitsbewegung 1811 bis 1814, mehrmals von Erdbeben, zuletzt 2001, schwer beschädigt. Ähnelt einem überdimensionierten Dorf, von einer Hauptstraße großräumig umfahren.

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21.10.2015, Usulutan, Hotel Paradiso, Tkm 60, Gkm 6630

Noch ist die Regenzeit nicht vorbei. Regen in der Nacht, Regenschauer am Morgen. Im muffigen Hotel Royal King bleibe ich keinesfalls. Im leichten Regen zu Biggest, einem Fastfoodladen mit Internet. Im Süden ist es hell; am Stadtrand ist es bereits trocken.Usulutan_Markt

Bis zum Rio Lempa eine flache bis leicht hügelige, danach bis Usulatan eine hügelige Strecke. Verkehrsreich und verstopft die Straßen der Stadt, lebhaftes Treiben vor allem in Marktnähe. Ein Zimmer um 47 Dollar im 3 Stern Hotel Sevilla erscheint mir zu teuer. Zum Schlafen sollte das 18 Dollar Quartier Paradiso reichen, um einen schattigen Hof gebaut. Auf zwei Mitbewohner hätte ich gerne verzichtet: Wanzen, die ich zerquetsche, nachdem sie meinen linken Ellbogen in die Mangel nahmen.

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22.10.2015, Panamericana km 156, Hotel El Rey, Tkm 70, Gkm 6700

Mit Sonnenschein am Morgen beginnt ein schwülheißer Tag. Zum Frühstück diesmal Cappuccino Mocca und ein Hot Dog an einer PUMA Tankstelle. In Mexiko domienierte mit PEMEX eine einzige Marke den Tankstellenmatkt. Hingegen sind in Guatemala und El Salvador eine Vielzahl von Marken als Gasolineras vertreten, mir aus Europa bekannte wie Shell oder Texaco, aber auch zahlreiche unbekannte. Den Großtankstellen angeschlossen fallweise ein Restaurant, meist jedoch ein Shop mit einem breiten Angebot an Chips und Drinks. Das Angebot warmer Speisen beschränkt sich im Wesentlichen auf Hotdogs, die vom Kassenpersonal zubereitet werden. Am Markt der „Sodas“ ist Pepsi stärker vertreten als „Coca Cola“, während der Bereich der warmen Getränke mit Automaten von Nestle beherrscht wird.

Durch Zuckerrohrfelder graduell bergauf, den Vulkan Chaparrastique stets im Blickfeld. Vorerst im Norden, später im Westen. Kann mit seiner Höhe von 1864 Meter nicht mit den etwas höheren Vulkanen im Westen des Landes mithalten. Ist dennoch imposant, weil der Berg als freistehendes Massiv mit Doppelspitze aus dem Tiefland aufsteigt und dadurch die Landschaft dominiert. Sieht mit seinen bewaldeten Hängen, an dem sich weiße Wolken stauen, eher harmlos aus. Birgt wegen seiner Nähe zur Großstadt San Miguel dennoch ein erhebliches Risiko für die Bevölkerung.

Esse heute zweimal in Restaurants an der Straße. Fisch und Getränk um 4 Dollar, geschnetzeltes Rindfleisch und Getränk um 2,50 Dollar. „Rotes Fleisch“ ist in El Salvador etwa 20 % billiger als Fisch, Geflügel 20 % preiswerter als Fleisch.

La Union, nächstes Ziel an der Fonseca Bucht, schaffe ich heute nicht. Als ich die drei Telemasten auf den Bergen im Süden sehe, verwerfe ich den Plan, via Playa El Cuco zu fahren. Fahre nordwärts nach San Miguel, frage im Comfort Inn nach einem Zimmer. Das Hotel ist ausgebucht, bei einem Zimmerpreis von 67 Dollar. Businesstarife sind mit 47 Dollar deutlich günstiger, erfahre ich im Gespräch mit einem Vertreter von Nahrungsergänzungsmitteln.

In San Miguel will ich ohnehin nicht verweilen. Zudem ist es erst früher Nachmittag, also fahre ich weiter. Abschreckend die um El  Carmen liegende Hügelkette. Nahe einem Aqua Park und einer Tankstelle das einzige Hotel auf der Strecke nach La Union, ein Auto Hotel. Also ein Stundenhotel. Preis 20 Dollar von 19 Uhr bis 7 Uhr. Ich checke um 15 Uhr ein, muss demnach 5 Dollar aufzahlen. Dafür gibt es – neben hunderten Kabelkanälen – einen Pornofilm gratis auf Kanal 1.

Auto Hotels gibt es zuhauf in El Savador. Vorwiegend an Stadteinfahrten bzw. in Stadtnähe. Einige veraltet, einige neu und modern. Bei ähnlichen Zimmerpreisen sind diese Stundenhotels meist wesentlich sauberer und komfortabler als viele abgewohnte Hotels in Stadtzentren. Das El Rey hat zwar keine Einfahrt mit Sichtschutz, aber die üblichen, mit Rollläden verschließbaren Garagen vor den Zimmern. Nichts soll nach Außen dringen, daher hat „das Zimmer“ auch kein Fenster. Fensterlos, das behagt mir wiederum nicht.

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23.10.2015, La Union, Hotel Portobello, Tkm 37, Gkm 6737

Graduelle Steigung bis El Carmen. Dann wird der Anstieg in die letzte querliegende Hügelkette vor dem Golf von Fonseco steiler. Nach einer Kurve steht auf dem Pannenstreifen ein Pickup. Zwei Männer steigen aus dem Auto. Was die wohl wollen?

Die beiden sind Mitarbeiter von Kanal 23, Reporter und Kameramann, wollen ein Interview für den nationalen Fernsehsender. Ich nehme die Angelegenheit nicht besonders ernst. Beantworte Fragen, soweit ich sie verstehe, in einem Kauderwelsch aus Spanisch und Englisch. Der Schweiß rinnt mir von der Stirn, tropft von der Nase, obwohl wir im Schatten stehen. Was ich nicht weiss: Das Interview wird in den Nachrichten um 13 Uhr landesweit ausgestrahlt. .Siedlung aus Blechhütten

La Union. Die in das Stadtzentrum führende Straße ist mit Schlaglöchern gespickt. Ich will zum Sandstrand am Meer. Radle durch ein dichtes Menschengedränge am Hauptplatz. Verpasse eine Abzweigung, gelange in einer Sackgasse zum Wasser. Ein kleiner Bach mündet hier ins Meer. Das Wasser im Bach und im Meer ist total verdreckt, die Umgebung müllübersät. Hundert Meter zurück, dann bin ich wieder auf der Straße zum Strand. Radle durch eine Siedlung aus Blechhütten. Irgendwie unheimlich. Halbbekleidete Menschen, streunende Hunde. Einfahrt zum Industriehafen, ein steiler Anstieg, ein Comfort Inn auf der Anhöhe. Eine weitere Hafeneinfahrt, die zum  4 km entfernten Strand führende Straße unbefestigt. Nein, es gibt keine Hotels in Punta Chiquirin oder anderswo in dieser Gegend.

Zurück in die Stadt. Ich passiere das Hotel San Francisco. Ist sehr laut, wird gern als Stundenhotel genutzt. Erzählt John, der mich auf seinem Fahrrad auf der Zimmersuche durch die Stadt begleitet. Das Hotel Porto Bello sei ruhiger. Sehe mir dort die Zimmer an. Zimmer mit Ventilator und Gemeinschaftsbad um 12 Dollar, Zimmer mit Bad und Klimaanlage um 20 Dollar. Das Zimmer im zweiten Stock, die Treppe sehr steil, Klimaanlage arbeitet nur von 17 bis 7 Uhr, das Bad mit fehlendem Spülkastendeckel und einer Wasserstrahldusche eine Zumutung, im Zimmer frei hängende Kabel. Dieses Quartier sollte, wie zahlreiche andere in El Salvador, eigentlich geschlossen werden, wird aber bei booking.com auf einer Internetplattform angeboten!Fischerhafen

La Union, 34000 Einwohner, beherbergt El Savadors größten Hafen am Rand der Stadt. In Zentrumnähe der kleine alte Fischerhafen. Das Wasser dunkel und stark verschmutzt, der kleine Strand müllverseucht. Niemand badet hier, selbst den Einheimischen ist dieses Wasser zu dreckig. Die Straßen sehen nicht sauberer aus, obwohl ständig Müllmänner mit Besen und Lkw unterwegs sind.

Tags darauf verlasse ich El Savador.  Benötigte für die Querung des Landes länger als geplant, weil ich in Santa Ana wegen Regen festsaß. Die Strecke war in Küstennähe wegen der tropisch schwülen Hitze nicht angenehm zu fahren. Die gewählten Quartiere waren gut bis schrecklich, die Menschen freundlich. Das Wichtigste: Ich wurde nicht überfallen oder ausgeraubt.