Costa Rica

Fläche: 51.100 qkm
Einwohner (Mio.): 4,3 Mio
Hauptstadt: San Jose, 7 Provinzen
Provinzen: 7
Amtssprache: Spanisch
Währung: Colon, Exchange Rate per 11/2015: 1 US $ = 520 bis 560 Colon

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01.11.2015, Liberia, Hotel Liberia, Tkm 63, Gkm 7342

Nach dem gestrigen langen Anstieg nach La Cruz hätte ich mir keine weiteren Steigungen erwartet. Doch vorerst gehts leicht aufwärts. später flach, dann abwärts, dann wieder hügelig.

Das Land ist dünn besiedelt. Vulkane dominieren die Landschaft. Pinien wachsen in höheren Lagen, Zuckerrohr wird im Tiefland angebaut

Liberia am Sonntag, moderne Kirche, keine Sehenswürdigkeiten.

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02.11.2015, Limonal, Restaurant – Cabinas Los Genizaros, Tkm 74, Gkm 7416

Unterschiedlicher kann der Straßenzustand gar nicht sein. Zwischen Liberia und Caños wird die Carretera Interamericana autobahnähnlich ausgebaut, mit geteilter Fahrbahn, mindestens zwei Fahrspuren in jede Fahrtrichtung, breiter Seitenstreifen, teils begleitet von einem breiten Geh- und Fahrweg. Auf der gesamten Strecke sind allerdings die Fahrspuren in eine Richtung gesperrt. Was von mehreren lokalen Radrennfahrern zu Trainingszwecken genützt wird. Ich fahre die gesamte Strecke auf den gesperrten Fahrspuren.

Der Straßenabschnitt zwischen Caños und Limonal ist hingegen landestypisch. Eine dem starken Verkehr nicht entsprechende Straße, eng und gefährlich, viel zu schmales Bankett, kurvenreich und hügelig.

"Pipa fria" – Verkaufsstände am Straßenrand

„Pipa fria“ – Verkaufsstände am Straßenrand

Die Kokosnüsse im Angebot sind sicher „locally grown“. In einer Kühlbox gekühlt, wesentlich durstlöschender als Softdrinks, zudem mit 500 Colonels auch billiger. Ausgetrunken, teilt der Verkäufer mit einem Hackmesser die Nuss. Um das weiche Fruchtfleisch aus der Nuss zu kratzen, verwende ich meinen Löffel. Zweite Nuss, jetzt trinke ich nur noch die Kokosmilch. Zwei Dollar für zwei Nüsse, habe schon unvernünftiger eingekauft.

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03.11.2015, Tarcoles, Hotel Carara, Tkm 99, Gkm 7515

Etwa 50 km, bis zur Abzweigung nach Puntarenas, ungemein hügelig. Schiebe mehrmals das Rad eine Steigung hoch. Starker Verkehr, schmale Straße. Bin heilfroh, als ich dieses Teilstück Interamericana verlasse.Sattelschlepper

Costa Rica, „Reiche Küste“. Im Vergleich zu den Staaten Guatemala bis Nicaragua ist Costa Rica gewiss ein reiches Land. Im Straßenverkehr zeigt sich dies in modernen Autobusse, gepflegten Lastwagen und eher modernen Autos. Hast kein Auto, bist kein Mensch. Am heutigen Morgen parken die Sattelschlepper vor den zahlreichen, modern wirkenden Restaurants.

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04.11.2015, Esterillos, Hotel Monterey del Mar, Tkm 56, Gkm 7571

Fast alles spricht dafür, einen Ruhetag in Tarcoles einzulegen. Gutes Hotel, preiswertes Zimmer mit Meeresblick, reichhaltiges Frühstück, großer Swimmingpool. Bleiben oder Weiterfahren? Ich frühstücke und gehe durch das Gartentor, wenige Schritte zum Strand.

Zwei Arbeiter im Vorgarten halten diesen blitzsauber. Hellschwarzer Sandstrand, logisch wegen der nahen Vulkane. Aber wie sieht der Strand aus?! Angeschwemmte entwurzelte Bäume, Äste und Wurzeln hoch in die Luft ragend. Plastikflaschen und Kunststoffreste, Äste und Holzstücke, Skelette toter Fische.

Der eigentliche Grund, warum ich weiterfahre? Kein Restaurant und kein ATM in Hotelnähe.

Straende_CostaRica

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05.11.2015, Dominical, Hostel Piramys, Tkm 91, Gkm 7662

Fahre einige Kilometer, werde von Kai überholt. Nach einigen weiteren Kilometern überholt mich Ben. Sind um 6 Uhr in Jaco gestartet. Ich hole sie am Ortsrand von Quepos während ihrer Frühstückspause ein. Die drei Amerikaner Ben, Jonathan und Kai sind auf ihren Fahrrädern unterwegs von Mexiko nach Ushuaja. Radeln viel schneller als ich, doch ich treffe sie heute mehrmals. Weil sie längere Rastpausen einlegen, zwei platte Reifen flicken, einen Platz zum Campen suchen. Sie campen tatsächlich, „wild“, in Mittelamerika, wo Zelteln dem Vernehmen nach „gefährlich“ ist.

Die Wolkenfelder lösen sich nach dem nächtlichen Regen auf. Viel zu kurz ist die vormittägliche Windphase, dann wird es schwül und heiss. Die Strecke nicht schwierig zu fahren, weil weitgehend flach.

Ab Mittag ballen sichWolken zusammen, über den Bergen im Norden und über dem Pazifik im Süden. Auf der Höhe von Miramar ist es nur noch eine Frage von Minuten, bis der Regen einsetzt. Den einen Kilometer von der Hauptstraße zum ersten Cabinas-Platz am Miramar-Strand schaffe ich, ohne nass zu werden. Doch 65 Dollar für eine Nächtigung in Peters neugebauten Kabinen sind mir zu teuer. Peter, Unternehmer aus Mainz, wanderte vor zwei Jahren aus Deutschland aus, baut sich jetzt mit seiner Frau eine neue Existenz als Hotelier in Costa Rica auf.

Ich radle, bis es dukel wird. Suche in Dominical bei leichtem Regen ein Quartier. Nichts sieht einladend aus in dem großen Dorf, das sich der mit Pfützen durchsetzten Schotterstraße entlang zieht. Am Ende des Dorfes in Strandnähe ein Hostal. Außen unbeleuchtet, die Rezeption – bzw. jener Gebäudeteil, der wie ein Empfangspult aussieht – unbesetzt. Im Innenbereich höre ich Stimmen. Mehrere Personen in einer Gemeinschaftsküche. Wer ist Betreiber, wer Gast? Das mir zugewiesene „Privatzimmer“ bunt bemalt, das Bett mit einem Baldachin versehen. Soll gegen Moskitos schützen.Privatzimmer

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06.11.2015, Ciudad Cortes, Hotel Oasis, Tkm 60, Gkm 7722

„Die Strecke ist flach, ohne besondere Steigungen“, beschrieb gestern Peter, der deutsche Auswanderer, den weiteren Straßenverlauf entlang der Küste. Und betonte im selben Atemzug, von Radfahren nichts zu verstehen. Nachdem ich das Fahrrad die ersten Anstiege nach Dominical hochschiebe, kann ich bestätigen: Vom Radfahren versteht er wirklich nichts. Denn der heutige Streckenabschnitt ist alles andere als flach, quert einige Hügelketten, führt durchs Inland und berührt nur fallweise die Küste.

Vergeblich halte ich Ausschau nach einem preiswerten Strandhotel. Eine Zweitagesrast würde mir guttun. Offensichtlich gibt es nur wenige Hotels in Strandnähe. Peter erklärte dies gestern mit den strengen Bauvorschriften und dem Verbot von Grunderwerb in der 200-Meter-Strandzone. Dieser Bereich ist Staatsgut und wird allenfalls an Interessenten verpachtet. .

Zweimal will der Koch in Beans Bakery wissen, ob mir das Frühstück geschmeckt hat. War kreativ, selbst das Wasser für meine „Unterwegswaschflasche“ wird mit eisgekühltem Wasser aufgefüllt.

Das dünn besiedelte Gebiet und die nahen Berge haben den Vorteil, dass die zum Meer führenden Bäche und Flüsse klares Wasser führen. Was ich dazu nütze, vor einer weiteren Steigung ein Bad in einem der Flüsse zu nehmen. Habe schon klareres Wasser gesehen. Doch die Fische scheinen sich darin wohl zu fühlen und kühl ist es auch.

Regenzeit. Rasch ziehen nach Mittag Wolken auf. Im Südosten bedrohlich dunkel. Nur noch 5 km bis Ciudad Cortes, als erste Regentropfen fallen. Linkerhand ein Supermarkt mit einem Imbissstand. Ist mein erster Unterstand. Der Geschäftsführer unter Dreisig. Mit der Familie nach Kanada ausgewandert, als er vier Jahre alt war. In 20 Jahren verdiente die Familie genug Geld, um in Costa Rica einen mittelgroßen Supermarkt zu eröffnen. Will er zurück nach Kanada? Diesmal Vancouver, nicht Toronto!

Ich radle 300 Meter, da fängt es zu schütten. Finde Unterschlupf unter dem Vordach eines unbewohnten Hauses. Der Regen prasselt herab, mehr als eine Stunde lang. Einige Fußgänger, trotz Regenschirmen völlig durchnässt. Einige Radfahrer, ihre Regenschirme dienen der Zier. Die Straßen überflutet.

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07.11.2015, Rio Claro, Hotel El Gran Impala, Tkm 73, Gkm 7795

Nach einer regnerischen Nacht morgens klar, doch schon vor Mittag ballen sich dichte Wolken zusammen. Um 14 Uhr ein leichter Regenschauer, dem nach einer kurzen Regenpause eine lange kräftige Dusche folgt.

Nach wenigen Kilometern verlässt bei Palmar Norte die Straße die Küste und dreht ins Inland. Habe mir nach Querung des Rio Grande de Terraba eine flache Strecke erwartet und werde enttäuscht. Hügelauf und hügelab, durch ausgedehnte Palmenplantagen. Ölpalmen, deren Früchte gepresst jenes Palmöl liefert, das zu Margarine weiterverarbeitet wird.

Kräftige Regenschauer. Einen warte ich unter dem Vordach eines Minisupermarktes ab, der Nächste erwischt mich auf freier Strecke. Heute bin ich nicht vom Schwitzen pudelnass, sondern vom Regen.

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08.11.2015, La Conception, Hostal Monder’s, Tkm 66, Gkm 7861

Kann morgens gar nicht zu früh auf dem Fahrrad sitzen, um nachmittags nicht nass zu werden. Auf der reparaturbedürftigen Straße nach Ciudad Neily sind fünf Radfahrer unterwegs, und trotz der frühen Sonntagmorgenstunde zahlreiche Autofahrer. Und der Straßenverkehr wird stärker, je näher ich der Grenze komme.

Ab Cd. Neily bin ich wieder auf der von der Hauptstadt San Jose nach Panama führenden Hauptstraße. 17 km leicht bergauf. Der Grenzübergang Paso Cañoas klingt beeindruckend, bei Paso stelle ich mir einen Pass in den Bergen vor. Die tatsächliche Höhe von 280 Meter kommt mir als Radfahrer allerdings gelegen. Piscinas (Schwimmbecken) haben die am Straßenrand angebrachten Werbetafeln in riesigen Lettern versprochen und ich habe mich bereits auf eine Nächtigung in Paso Cañoas eingestellt.Antonio aus Chile

An der Stadteinfahrt begegne ich Antonio aus Chile. Startete in Ushuaia, wollte eigentlich nur ins nächste Land radeln. Fährt nun immer weiter, von einem Land ins nächste, Empfehlungen von Bekannten folgend. Nach sechs Wochen Arbeit an Panamas Südküste ist San José sein nächstes Ziel.

Ich radle eine Runde durch Paso Cañoas. Der Ort gefällt mir nicht. Grenzstadttrubel, Fetzenläden, Riesensupermärkte, Kneipen, billige Hotels. Reihe mich in der Warteschlange der in Panama Einreisenden ein. Habe keinen Ausreisestempel für Costa Rica. Muss zurück zur Immigration Costa Ricas, Warteschlange, Formular ausfüllen, Warteschlange, werde zur Gebührenstelle geschickt, Ausreisegebühr 7 Dollar an einem Automaten bezahlen, mit Formular und Zahlungsbeleg zurück zum Schalter, jetzt erst erhalte ich den Ausreisestempel. Zweihundert Meter zum Einreiseschalter Panamas, ignoriere die Warteschlange, wieder kommt die Frage nach dem Flugticket zur Ausreise aus Panama, verweise auf mein Fahrrad, ratloses Gesicht der Einreisebeamtin, holt sich Übergenehmigung von einem Vorgesetzten, stempelt den Pass, nun darf ich nach Panama.

Kein einziger Geldwechsler! Keine Helfer, die dies und jenes erledigen. Lediglich ein Motorradfahrer aus Norwegen, den ich nun zum dritten Mal an einem Grenzübergang treffe. Diesmal mit Ehegattin, die ihn zur Südspitze Argentiniens begleiten wird.

Panamas Paso Cañoas ist genau so unattraktiv wie der Stadtteil auf der gegenüberliegenden Grenzseite. Einziger Unterschied: Die unheilverkündenden schwarzen Wolken im Osten sind jetzt klar zu sehen. Das vor mir liegende Straßenstück ist nass, hier hat es schon geregnet. Ein Wolkenfenster öffnet sich, ich passiere das kleine Hotel am Straßenrand.

War ein Fehler, denn plötzlich macht das Wolkenfenster zu. Neuerlich brauen sich Regenwolken zusammen. Weideflächen, aber kein Haus am Straßenrand. Nun beginnt es kräftig zu regnen, bald bin ich klatschnass. Nicht schlimm bei abgekühlten 26ºC. Und es regnet bis spät in den Abend.